Missbrauch von Vollmachten/Erbschleicherei

Arnd Merschky, Fachanwalt für Erbrecht in Halle, berät Betroffene

In den letzten Jahren nehmen Rechtsstreitigkeiten stark zu, in denen häufig von älteren Menschen erteilte Vollmachten missbraucht werden.

Folgender Sachverhalt ist hierbei typisch:

Die 80-jährige Seniorin Frau M. kann ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr selbst besorgen, sie kann insbesondere nicht mehr selbst zur Bank gehen, um ihre Geldgeschäfte zu erledigen. Daher erteilte sie einem ihrer Kinder eine Vorsorgevollmacht und auch eine Bankvollmacht, um die Geldgeschäfte tätigen zu können. Kurze Zeit nach Erteilung der Vollmacht wird die Seniorin stark pflegebedürftig, sitzt in einem Rollstuhl und stirbt schließlich fünf Jahre nach Erteilung der Vollmacht. Nach dem Tode wird durch alle Kinder von Frau M. gemeinsam festgestellt, dass ihre Konten vollkommen „abgeräumt“ sind, das Erbe also ausgehöhlt wurde. Auskünfte der Bank ergeben, dass bis vor ca. fünf Jahren die Seniorin selbst ihre Geldgeschäfte getätigt habe. Hiernach seien die Geldgeschäfte nicht mehr durch sie persönlich erledigt worden, sondern durch das Kind, welches die Bankvollmacht hatte. Weitere Auskünfte der Bank ergeben, dass jeweils nach Eingang der monatlichen Rentenzahlungen auf das Bankkonto der Seniorin größere Beträge in bar am Geldautomaten abgehoben wurden. Im monatlichen Durchschnitt sind über die Jahre monatlich 600,00 EUR vom Konto der Seniorin durch den Bevollmächtigten abgehoben worden. Die übrigen Kinder können sich derart hohe Barabhebungen nicht erklären, da die Seniorin in den letzten Jahren immer hinfälliger wurde und daher kaum noch Bargeld benötigt haben kann. Das Pflegeheim wurde bargeldlos bezahlt. Hierin eingeschlossen war die Versorgung mit Essen und Getränken.

Die übrigen Kinder verlangen nunmehr vom bevollmächtigten Kind Auskunft darüber, was mit den monatlich abgehobenen Beträgen geschehen ist.

Die Auskünfte der Bevollmächtigten über den Verbleib der Gelder sind von Fall zu Fall verschieden, es gibt jedoch drei häufig wiederkehrende typische Antworten.

  1. Teils seien die Beträge dem Bevollmächtigten nach Ablieferung an die Seniorin von dieser wieder in bar zurückübertragen worden mit dem Bemerken, es sei geschenkt.
  2. Teils sei das Geld auf Weisung der Seniorin auf ein eigenes Konto übertragen worden, „natürlich schenkungshalber“.
  3. Teils habe man das Geld der zu diesem Zeitpunkt schon im Rollstuhl sitzenden Seniorin bar ausgehändigt. Wo diese das Geld gelassen habe, wisse man nicht.

Viele Gerichte haben in den letzten Jahren hierzu Entscheidungen gefällt und hierbei in einigen Fällen dem Bevollmächtigten die Darlegungs- und Beweislast dafür aufgebürdet, wo das Geld geblieben sei.

Lassen Sie sich zu dieser Problematik durch einen erfahrenen Fachanwalt für Erbrecht beraten.